Die Geheimnisse, Tipps und Tricks eines Profi-Anglers - Marco Beck
 

Zum 1.6.2012 hatten wir Marco Beck (Sensas) zu einem Interview und einer Angelvorführung eingeladen. Dabei ging es um "Feinschliff" für bereits ambitionierte Angler, die alle schon Erfahrung beim Umgang mit der Kopfrute haben. Das Sensas Team vom Märkischen Anglerhof aus Bestensee hatte diesen Termin vorbereitet. Unser Zielgewässer war der Oder-Spree-Kanal nahe Berlin in Wermsdorf. Dieser Kanal ist ein DAV-Gewässer und auch Austragungsort etlicher Hegefisch-Maßnahmen. Auch der deutsche Anglertreff 2012 in der Vielseitigkeit (Angeln+Casting) wird "zufällig" hier im September ausgetragen. Ein Grund mehr sich Tipps und Tricks zu holen, um größere Fische selektieren zu können. Doch warum verrät Marco seine Tricks? Riskiert er nicht, dass wir mal besser werden und gegen ihn gewinnen?
Doch darüber kann er nur lächeln. Er selbst hat meherer Europa- und Weltmeisterschaftenschon mitgefischt, ist im Nationalkader....Er muss niemanden mehr beweisen, dass er zur Weltspitze zählt. Marco möchte, dass Angler regelmäßig Erfolg am Wasser haben, denn Erfolg und Beständigkeit spricht sich sehr viel nachhaltiger rum, als irgendwelche Wunder-Lockstoffe oder angebliche Geheimwaffen.
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Der Oder-Spree Kanal hat einige Besonderheiten, die wir Marco im Vorfeld erklärten, um seinen Rat einzuholen.

Dazu zählte zum einen der Schiffsverkehr von größeren Schleppschiffen, die den Futterplatz jedesmal wegspülen. Die Beißflaute der Fische, wenn ein großes Boot den Angelplatz passiert. Der damit verbundenen Schleusenbetrieb verursacht wechselnde Strömmungsgeschwindigkeiten und Pegelstände. Auch mehrere Gewässerkanten machen die Entscheidung nicht wirklich leichter, wo man angeln sollte. Der Kanal hat einen recht hohen Bestand an Weißfischen und zahlreichen handgroßen "Streifenplötzen", wie wir Berliner manchmal zu den Barschen sagen.

 

Unsere Bitte an Marco war, uns den Weg zu den größeren Fischen zu zeigen. Unsere Wunschfische waren Brassen und große Rotaugen.

Doch diese Fisch sind außerhalb der Laichzeit hier rar. Im Sommer gibts hier fast nur handgroße Rotaugen. Marco wusste das schon und hielt unseren Wunsch nicht für umsetzbar. Der Kanal befindet sich zwischen 2 Seen, die den Brassen wesentlich mehr Nahrung bieten, als ein Schiffahrtskanal mit 3,7m Wassertiefe und Steinpackung.

 

Die Frage aller Fragen gleich zum Anfang. Welches Futter? Welche Futterbindung? Aktiv oder passives Futter? Futterfarbe, Sättigswert?

Futter werfen oder cuppen. Reagieren die Fische auf das Plopp-Geräusch vom Futterwerfen. So - nun erst mal Luft holen und Marco anworten lassen. Mit einer Ruhe eines Profis erklärte er auch einfachste Fragen, die viele Angelfreunde schon selbstverständlich sein sollten.
Auch baute er immer wieder einen Spaßfaktor in seine Erklärungen ein. Dadurch gabs immer mal was zum lachen und schmunzeln. Ein echter Entertainer.
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Beim Futter setzte Marco auf einen Mix aus Brassen und aktiven Rotaugenfutter. Ziel sollte es sein, dass Futter möglichst der Gewässergrundfarbe anzupassen. Da der Kanal recht tief ist, muss das Futter schwer sein, darf jedoch keine hohe Bindung haben.

 

  • Marcos Futterrezept:
       1kg Sensas Super Black Reviere
       1kg Sensas Super Reviere Bremes (goldene Tüte)
    0.5kg Epicene noire (Honigkuchen)
  •    1kg Terre de Fond noire (sehr schwere, seine feine Erde)
       2 Hände voll rotes Pastonchino (für die Rotaugen als aktive Futterkomponente)
       Caster, Caster und noch mehr Caster

 

Unsere neugierige Frage nach der Bedeutung des Collix Big Fish, das er NICHT ins Futter rührte, zeigt uns Marco bei der Anfütterung.
Nur wenige Futterballen werden mit dem Futterbindemittel vermischt. Dadurch erreicht man, dass einige Futterballen sich erst später öffnen. Collix ist im Gegensatz zu Lehm ein weißes Lebensmittelpulver und kein Mineral. Der Sensas Madensack dient dem Transport und Kühlung der Maden in der warmen Jahreszeit.
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Mit einer kurzen Bildergalerie möchte ich die Schritte beschreiben, in welcher Reihenfolge das Futter gemischt wird.
Die hellen Futterpartikel stammen von der goldenen Sensas Tüte Reviere Bremes und werden später vom Sensas Super Black Reviere automatisch mit eingefärbt, sobald Wasser dazu kommt.
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Schwere, nicht bindene und ganz feine Erde nagelt das Futter an den Gewässergrund. Wichtig bei Schiffsverkehr. Auffällig bei dieser Erde ist das geringe Volumen und die ungewöhnlich hohe Dichte der Erde. Zum Glück war das Preisschild von der Tüte abgefallen. Ich bin fast ohnmächtig geworden, was die Erde kostet. Marco hatte es heute gesponsort, um uns die Unterschiede zum Kochtopfangler zu zeigen.
 

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Unspektakulär und leicht übernässt setzt Marco das Futter an. Mit einem Schmunzeln erklärt er, dass Sensas-Futter noch deutlich nachzieht wir es schon noch sehen werden? Doch wo ist das rote Pastonchino geblieben? Es ist noch nicht drin. Erst muss das Futter quellen und den Endzustand erreichen. Pastonchino ist ein trockenes fruchtiges Keksmehl. Es kommt erst zum Schluss als AKTIVE Futterkomponente ins Futter, um die Routaugen zu animieren und das Futter zu öffnen.
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Während Marco uns "professionell" zeigte, wie man unter Schutzgas verpackte, aromadicht verpackte Sensas-Tüten öffnet, wies er immer wieder darauf hin, dass wir wissen müssen, wie das Futter arbeitet und wann es sich öffnet. Nur so kennt man den ungefähren Zeitpunkt für's Nachfüttern in der Strömung.
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Krasser Kontrast der Futterpartikel (Pastonchino) zum schwarzen Futter. 2 Hände voll reichen alle mal auf 2-3kg Trockenfutter.
Gut vermischt und umgefüllt in einen kleinen Futter-Falteimer siehts dann so aus:
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Lecker? Oder? Aus dem zuvor übernässten Futter ist eine perfekte Mischung geworden. Für Moarco nich t perfekt genug. jetzt greift er in die Trickkiste. Ein rotes Glas auf seinem Tablett hatte schon länger unsere Neugier geweckt. Was ist das? Roter Mais, wie wir es von Günter Horler's Video vom Silokanal kennen? Marco gab es uns zum kosten. Ungläubig schauten wir in die Runde. Marco kostete vor und reichte uns das Glas.
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Verblüffend - es war roter Weizen - mit leichtem Erdbeergeschmack. Ein Brassenbooster im Sommer. Gerade in schiffbaren Kanälen und Häfen wird Getreide von den Schiffen umgeladen. Mich erinnert das stark an ein Erlebniss vom Mittellandkanal nahe Magdeburg, wo Brassen im Überfluss nur in der Hafennähe zu fangen waren, wo auch Futtermittel umgeladen wurden.
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Nicht übertreiben und gleich das ganze Glas ins Futter kippen. Einige weinige Körner reichen für die Anfangsfütterung, um auch Brassen an den Platz locken. Doch jetzt schnell ein paar Ballen formen. Wir wollen Fische sehen.
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Marco entscheidet sich für's "cuppen mit Geräusch" Plopp, Plopp, Plopp - 3 Futterballen werden mit dem Polecup versenkt.
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Im Gegensatz zum Futter werfen, wo der Futterballen nach dem Auftreffen auf der Wasseroberfläche seiner Flugbahn unter Wasser noch etwas folgt, fällt beim Cuppen der Futterballen wirklich senkrecht ins Wasser. Nämlich genau unter die Rutenspitze. Dort, wo wir auch angeln werden. Durch dieses präzise und konzentrierte Füttern, braucht man auch nicht so viel Futter.

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Cuppen mit Plopp-Geräusch. Wir werden bald sehen, ob's was bringt.
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Das erste Rotaugen muss scheinbar schon auf die Made gelauert haben und hat sich den Köder gleich eingesaugt. Am Bicolor Stonfo Match Hakenlöser demonstriert Marco den richtigen und vorallem schnellen Umgang den Fisch vom Haken zu befreien. Dabei wird der Hakenlöser parallel mit den von den Fingern gespannte Vorfachschnur geführt, wobei die Einkerbung am Hakenlöserkopf auf der Schnur entlang gleitet, bis dier Haken erreicht wird. Ein kleiner Stupser zurück - und schon ist der Fisch vom Haken wieder befreit.

Von dieser Größe an Rotaugen wurde eine ganze Menge gefangen. Doch was ist mit den Brassen? Wir sind ja hier, um zu erfahren, wie man die größeren Fische hier selektieren kann? Marco cuppt nun 4 feste Futterballen mit mehr Castern und rotem Weizen ab, stellt die Pose 5 cm tiefer und setzt wieder ein. Schade, dass Heiko Schmidt und Oli vom Märkischen Anglerhof schon weg mussten.


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Hier kommt der versprochene Brassen auf Ansage.

Nun, wo ihr wisst, wie's läuft, widmen wir uns mal der Montage und dem Angelzubehör von Marco Beck.

Beim Drill des kleinen Brassens machte mich der Silikongummi in der 74XL aufmerksam. Das sieht so anders aus... Aha - ein verdrillter Silikongummi. Das sieht man wirklich nur aus der Nähe:
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Mit einem Schmunzeln erklärt uns Marco: "Wie? Kennste nicht? Ist neu und auch im Katalog drin. Der Gummi klebt weniger am Rutenrand und hat mehr Reserven, als ein einfacher Gummi". Die Drillgeschwindigkeit überzeugte uns alle sofort. Ohne viel Federlesen wurden die Brassen ans Ufer gedrillt und fast geräuschlos gekeschert. Kein Wunder, wenn Marco so schnell beim angeln ist. Das werd' ich unbedingt mal nachbauen und davon berichten. Auch Dennis Werner vom Sensas Team aus Bestensee fischt diesen Gummi schon erfolgreich und ist damit sehr schnell beim Drill. Hier muss ich echt was verpasst haben...

 

Ein Blick auf Marco's Montagen - dokumentiert mit einigen Bildern:
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Die Nautilus-Posen sin ebenfalls eine Neuheit für die Angelei in schnell fliesenden Kanälen. Doch nichts für den Oder-Spree Kanal.
Dennoch muss ich die Bebleiung der neuen Pose mal untersuchen.
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Auch meine Angelfreunde sind neugierig
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Schlanke Posen sind viel besser, wenn fast keine Strömung vorhanden ist. Doch bei tiefem Wasser eventuell zu leicht.
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Letztendlich entscheidet sich der Großmeister für die schlanke Guillaume-Pose mit einer etwas höheren Tragkraft.
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Auch die Frage nach dem optimalen Haken und Hakengröße wurde heftig diskutiert. Das Wasser ist sehr klar. Der Hauptfisch wird dennoch das Rotauge sein. Also einen dünnen, unauffälligen Rundbogen-Haken verwenden. Marco empfiehlt für solche Situationen den Feeling 3410 oder 3405. Der 3405 ist der sogenannte "black nickel". Verwundert schauten wir in die Runde, dass Marco tatsächlich die original gebundenen Haken fischt. Ich konnte das nicht glauben und hielt es für einen PR-Gag.
Viele Profi-Angler vertrauen nur den Haken, die sie selbst gebunden haben.

Als er seine Hakenmappe aus seiner Carry-All Tasche rauszauberte, klappte uns allen die Kinnlade runter.
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Wichtig beim technischen Angeln ist die exakte Köderkontrolle. Viele reden davon - wissen aber nicht wie's wirklich funktioniert.
Das ganze fängt schon beim Einsetzen der Montage ein...

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Mehr Details zu den Montagen würden hier den Rahmen sprengen. Marco hatte uns noch viel mehr zu zeigen.

Das Angeln mit Matchrute und die Bebleiung beim ZOOMER-WAGGLER

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Geduldig erklärt Marco unsere Fragen zum Angeln mit feststehenden Waggler (auch englisches angeln genannt) und zur Sliderangelei als Laufmontage. Die Angelei mit der Matchrute zählt mit zu seinen großen Stärken. Hier kennt er sich besonders gut aus und hat etliche Veranstaltungen mit Hilfe dieser Angelmethode für sich entscheiden können. Gerade das Thema der Bebleiung und die Probleme, die wir beim "vertütteln" (verheddern) der Montage habe kennt er bestens. Der heutige Schwerpunkt soll das Angeln mit ZOOMER-Wagglern sein.

Das Angeln mit diesen Wagglern wird bevorzugt in tiefem oder strömenden Gewässern eingesetzt. Hier soll der Köder schnell zum Grund und ruhig präsentiert werden. Bei keiner anderen Angelmethode gibt es mehr verheddern und Materialverlust, als bei dieser Angelei.
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Zommer sind nicht vorgebleite Waggler mit einem Höchstmaß an zuladbarer Tragkraft. Zoomer können bis zu 50% ihres Gewichts in Bleiform tragen. Marco's Trick bei dieser Montage ist der Übergang von der sinkenden Hauptschnur 0,16mm zur "Bleischnur". Die Bleischnur ist nur ein Synonym für ein Vorfach, welches das Blei trägt und vom Durchmesser her stärker, als die Hauptschnur ist. Das Highlight an dieser Montage sind 2 Komponenten. Sofort fallen die 10cm stark verdrillte Vorfachschnur auf. Die dient zum einem als Abriebschutzschutz und zum anderen ist die Angelschnur dort steifer und reduziert dadurch das befürchtet verheddern der Angelschnur beim Auswerfen. Das Sensas Kugelblei ist im Vergleich zu anderen Herstellern besonders dünn gebohrt und exakt zentriert. Außerdem hat das Blei eine nicht glänzende Oberfläche. Doch Qualität hat auch seinen Preis.
Drei grüne Bleischrotte Nr 4 stoppen das Bleigewicht auf dem verdrillten Ende. Etwa 80cm darunter kommen noch 3 Bleischrote Nr. 6.
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Ein kleiner Wirbel stellt dann die Verbindung der Bleischnur zum 40cm Vorfach da. Der Wirbel hat Größe 22 oder 24. Ich vergaß da nachzufragen. Warum verheddert diese Montage nun weniger, als unsere herkömmlichen Montagen? Ganz einfach. Die Bleischnur hat einen Durchmesser von 0,20mm und ist steifer als die Hauptschnur. Steife Schnüre verheddern sich nicht so schnell und strecken sich schneller.

Weil nur 2 Bleipunkte verwendet werden, haben wir noch einen Punkt, warum es sich weniger überschlägt. Einfach und nicht zu kompliziert angeln ist hier die Devise.

Oft vernachlässigt und unterschätzt ist das Thema Speedfischen auf Ukelei auf kurzer Distanz. Hier ist der Ablauf und die Routine eines der wichtigsten Faktoren. Zuschauen und kluge Sprüche klopfen können viele. Doch wenn man selbst mal auf dem Trohn sitzt und es ausprobiert, fängt man an gegen "Windmühlen" zu kämpfen. Man füttert zu viel oder zu kurz oder zu unregelmäßig oder zu hart... die Montage herheddert sich beim Auswerfen. Die Made ist ausgelutscht und muss erneuert werden. Die Leute hinter einem klopfen kluge Sprüche und machen einen nervös. Doch Augen zu durch. Wir Angler haben Biss und wollen gewinnen und dazu zählt nun mal auch das Training, um die Abläufe zu trainieren.
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Patrick vom Sensas-Team Märkischer Anglerhof ist hoch motiviert, um unsere Ratschläge umzusetzen. Ein erlebnissreicher Angeltag geht zu Ende. An dieser Stelle möchten wir nicht nur Marco Beck für seine Mühe an den Trainingstag bedanken, sondern auch Oli vom Märkischen Anglerhof, der uns alle mit Getränken und einer Männermahlzeit verwöhnt hatte.

 

Die hier vorgestellten Sensas Produkte erhalten Sie übrigens auch im Märkischen Anglerhof und bei uns im Matchangler-Shop .

(c) Bild und Text Maik  Fiebig

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