Wir berichten hier für champions-team.de über die WM Vorbereitung der Teams in Poznan. Deutschland wird dieses Jahr vom
Stipp-Profi Team vertreten. Das Team um Ralf Herdlitschke hatte sich schon beim Training an der Warta sehr deutlich vor den
anderen Ländern absetzen können. Doch immer dann, wenn man glaubt, dass man den Schlüssel zum Fisch gefunden hat,
kommt immer alles anders.

 

Polen wurde in den letzten Wochen wegen extremen Regens von einer noch nie dagewesenen Hochwasserflut bedroht. Alle Flüsse
in Polenhaben ihr Flussbett bis an die Deichkanten ausgereizt. In einigen Regionen sind Dämme gebrochen und Menschen haben
ihr Haus und Land im Wasser verloren. Seit 50 Jahren gab es zu dieser Jahreszeit kein Hochwasser mehr. Die Wassermassen haben
das Ufer der Warta inzwischen zerstört, Bäume stehen bis zur Krone unter Wasser und keiner denkt hier mehr an das Angeln,
sondern nur daran sein Leben und Haus zu schützen. Wegen dieser extremen Situation wurde in Abstimmung mit der FIPS
und dem polnischen Veranstalter ein Ausweichgewässer gesucht.

malta-see

Der Malta-See, mitten in der City von Poznan bekam den Zuschlag als Ausweichgewässer.
Diese Entscheidung ist nicht leicht gefallen und war im Vorfeld mit vielen Auflagen verbunden. Das Hauptproblem war,
parallel zum Angelevent die polnischen Landesmeisterschaften im Kanu-Sport auf dieser Strecke ausgetragen werden
und es hier zu Behinderungen für beide Seiten kommen wird. Der Uferbereich ist von einem Schilfsaum umgeben,
in dem Vögel brüten könnten. So legten die "Grünen" pauschal erst mal einen Protest ein. Je mehr Behörden man fragte,
desto mehr Einwände kamen. Jeder musste seinen Senf dazu geben. Letztendlich hatte Tomek Horemski
(Verstalter und Mitglied des Competition Office) durch etliche Telefonate eine Lösung gefunden und konnte die Gemüter beruhigen.

Es wird, wie in Deutschland, eine offizielle Hegemaßnahme zur Bestanderfassung und Gesundheitskontrolle des Fischbestandes.
Inzwischen wurde sogar das Schilf auf der Angelstrecke runter geschnitten. Die Vögel brüten nun woanders.


Der Malta-See ist ein künstlich angelegter Ruderkanal mit einer Länge von 2200m und einer Breite von geschätzten 600m. Während die internationalen Teams ihre Montagen in Vorbereitung auf die WM an der Warta überwiegend mit 15-30 Gramm Lutscher-Posen gebaut hatten, heißt es jetzt wieder "neu denken". Leichte Posen von  0,3 Gramm bis 0,7 Gramm werden nun zum Einsatz kommen. Ein Mix aus verkürztem Fischen mit der Kopfrute und der Matchrute wird erwartet.

Am Malta-See ist seit vielen Jahren das Angeln für Öffentlichkeit verboten. Keiner was wirklich, was der Fischbestand hergibt. Alle 5 Jahre wird das Wasser aus dem See abgelassen und der Boden des Sees mit Strassenkehrmaschinen gereinigt. Die Fische kennen keinen Angelhaken und dürften damit auch nicht scheu sein. Einheimische berichteten von einen extrem guten Weifischbestand an Rotaugen, Brassen, Karpfen und Schleien. Alles Spekulation. Die nächsten Tage werden zeigen, was der See an Überraschungen bietet. Das Gute an diesem Ausweichgewässer ist, dass niemand bevorteilt ist. Die Bedingungen sind für alle Teams gleich.
malta-portugal
Da laut FIPS-Auflage, beim Angeln außerhalb der offiziellen Trainingstage ein Mindestabstand von 500m eingehalten werden muss, hat man hier nur die Option, 40-50 Angler im Bereich der Kanu-Rennstrecke unterzubringen. Vereinzelt gab es dafür Ausnahmegenehmigungen, das Ufer betreten zu dürfen. Ein ständiges Hickhack um Kompetenzen und klaren Regelungen ermöglichte einzelnen Anglern, das Gewässer doch zu beangeln. Das Ergeniss war überwältigend. Davon möchte ich auszugsweise berichten:

 

Der Bruder vom Tomek Horemski gilt in dieser Region als ein absoluter Topspezialist. Er wurde vom Beloruschischen Team "eingekauft" und angelt jetzt für dieses Team. Der Kuhhandel aus dem Fussball hat nun auch die Angler erreicht. Als faire Geste hat er Bilder und Infos zum Fischbestand dem Matchangler-Shop vorab bereit gestellt. Wir berichten daher vorab über die erwartete Situation.
horemski-mit-karpfen
Überrascht hatte mich seine Futterauswahl für diesen See. Ich hatte erwartet, das er irgendwelche großen Geheimnisse hütet,
die er nicht Preis geben will. Doch Herr Horemski lies mich bei der Zubereitung über die Schulter schauen. Er erklärte mir, dass der See keine Angler kennt und er auf stark aromatisiertes Futter bewusst verzichtet. Er machte nicht viel Wind und zerrte eine 2kg Tüte Van den Eynde Silber aus seiner Tasche und mischte aus einer Tüte Sensas Epiciene (Honigkuche) 2 Hände voll dazu. Fertig. Ich war erstaunt. Nach dem Sieben und erneuten Nachfeuchten sagte er grinsend " it's really enough". Die ganze Zeit habe ich gewartet, ob er noch bunte Futterpartikel oder einen Lockstoff dazu gibt. Nichts der gleichen. Da er eh nur mit einer Maver-Rute kam und nicht großartiges aufbaute, ging nun alles sehr schnell. Die Gewässertiefe lag bei konstant 3,20m, egal wo man lotetet. Der Untergrund ist so glatt wie eine Autobahn.
6 Futterballen flogen auf die 13m Distanz, 2 davon so leicht zusammen gedrückt, dass sie aufplatzten.

Eine schlanke 0,8 Gramm Jaxon Pose, die wir von der Mückenangelei kennen (ähnlich Sensas Remise) und Owner Chinta Haken, dessen Größe ich auf 16 schätzte, wurden mit 2 Maden bestückt und los gings. Nicht passierte. Kein Biss, kein Fisch. Er begann nun gequollen Hanf, Caster und Maden zu schießen. Wieder nichts. Er verschob die Bleie, veränderte die Tiefe, bewegte den Köder. Den nun folgenden Biss hatte ich nicht gesehen. Er schob die Pole langsam über den Preston-Abroller zurück. Seinen Grinsen konnte ich entnehmen, dass er was Großes hat.
Bingo - ein schöner Karpfen von gut 3 Pfund. Es folgten noch einige schöne Rotaugen um 200 bis 300 Gramm und kleine handgroße Brassen.

horemski-training
berichtet von Maik Fiebig.

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